„Die Kunst, zu verändern…“: Motivation

 

Drei … zwei … eins … vier 

In unserem nunmehr vierten und vorerst letzten Beitrag zum Thema „Die Kunst, zu verändern…“ befassen wir uns heute gemeinsam mit euch mit dem vielschichtigen und grundlegenden Thema Motivation. 

Aber erst einmal das Wichtigste vorweg: Was hat Motivation an dieser Stelle mit Veränderung zu tun? Ihr kennt das sicher, dass die sogenannte „Veränderungsmüdigkeit“ zunimmt. Kein Wunder bei der sich seit Jahren im stetigen Wandel befindlichen Arbeitswelt. In diesem Zusammenhang macht es Sinn, sich etwas detaillierter mit dem Thema Motivation zu beschäftigen.

Was treibt uns an? Was führt uns zum Ziel? 

Zieht man die offizielle Definition heran, ist Motivation (gelegentlich auch Impetus genannt) die Gesamtheit aller Beweggründe, die zur Handlungsbereitschaft führen und das auf emotionaler und neuronaler Aktivität beruhende Streben des Menschen nach Zielen oder wünschenswerten Zielobjekten.

Ihr könnt Motivation aus zwei Richtungen betrachten. Nämlich im Hinblick auf die Person oder auf die Situation, in der diese Person handelt.

Lasst uns die beiden wesentlichen Formen der Motivation im Folgenden einmal genauer betrachten:

  • Die intrinsische Motivation ist die innere, aus sich selbst entstehende Motivation einer jeden Person. Ihr kennt das sicherlich: bestimmte Tätigkeiten macht ihr einfach gern – weil sie Spaß machen, weil sie sinnvoll oder herausfordernd sind oder euch eben einfach interessieren.
  • Die extrinsische Motivation ist durch äußere Faktoren und Reize bestimmt. Sie erfolgt weniger aus eigenem Antrieb, sondern wird vielmehr von außen gesteuert und angeregt. 

Interessant in dem Zusammenhang ist auch die sogenannte Demotivation. Die bewirkt, dass eure Motivation, etwas zu tun, nachlässt. Und dass ihr in bestimmten Situationen demotiviert oder eben auch unmotiviert seid, ist menschlich und das kennt jeder von uns.

Apropos Kunst … Das Motiv liegt im Auge des Betrachters

Zum Thema Motivation gehören auch die jeweiligen Motive – also Auslöser – die individuell sind und euer Verhalten und eure Entscheidungen steuern.
 

Erst kürzlich habe ich einen Artikel gelesen, der genau und sehr unterhaltsam beschreibt, wie extrinsische (also von außen kommende) Irritation zu intrinsischer Motivation führen kann (s.a. „Wie extrinsische Irritation zu intrinsischer Motivation führt“  von Anja Förster).. Ihr habt richtig gelesen! 

Es ging darum, dass auf einer Veranstaltung ein spannender und inspirierender Vortrag erwartet wurde. Stattdessen hagelte es massive (und wohl auch berechtigte) Kritik und Vorwürfe – eine schockierende verbale Ohrfeige wurde verteilt. Aber anstatt sich vor den Kopf gestoßen zu fühlen, sahen sich die Mitarbeiter herausgefordert und begannen zu tüfteln, rechnen, entwickeln etc. … sie waren damit also persönlich motiviert. Kurzum, die Bemühungen waren schlussendlich von großem Erfolg gekrönt. 

Die Kernbotschaft ist folglich, dass Motivation das Produkt aus individuellen Merkmalen der jeweiligen Person und Merkmalen einer Situation ist, in der sich die einzelne Person befindet.
Ihr merkt, ihr könnt nicht nicht motiviert sein! Nur die Richtung eurer Motivation variiert .

Für eure Projekte könnt ihr dieses Wissen nutzen, indem ihr nach einer Einschätzung der jeweiligen Motivationslage euren Projektmitgliedern  unterschiedliche Aufgaben zuteilt, Ziele genauer definiert und zur richtigen Zeit Anreize setzt. Ja, das klingt vermutlich leichter als es ist, aber manchmal hilft es schon, in bestimmten Situationen die Projektmitglieder bei der Stange zu halten. In einem Selbstversuch habe ich festgestellt, dass sich meine Motivation beispielsweise durch Nervennahrung in Form von Schokolade oder Gummibärchen erheblich steigern lässt.

Wir freuen uns über euer Feedback und eure Anregungen! Was habt ihr bereits anwenden können und welche Erfahrungen habt ihr gesammelt?

Viele Grüße


Tina

RegTech News! 16. RegTech-Beitrag "DLT und Smart Contracts" ist jetzt online

Liebe Leserinnen und Leser, 

RegTech ist im Dialog mit Finanzinstituten nicht mehr wegzudenken. Aber wofür steht der Begriff, was bedeutet er in der Praxis, welche Anwendungsfälle bestehen im Compliance-Umfeld, wie fügt sich RPA in den Themenkomplex ein?

All diese Fragen behandeln wir seit längerem in einer Reg-Tech Beitragsserie. Natürlich wollen wir Ihnen unseren Blog-Lesern diese Beiträge nicht vorenthalten!

Deshalb erhalten Sie ab sofort zu jedem neuen RegTech Beitrag News auf diesem Blog und heute geht es weiter mit dem 16. RegTech Beitrag:

DLT und Smart Contracts

Die Dynamik des digitalen und regulatorischen Wandels erhöht sich - Compliance befindet sich mitten in einem Transformationsprozess: Ende Juni 2021 trat das eWpG (Gesetz über elektronische Wertpapiere) in Deutschland in Kraft, Ende 2022 soll die EU Verordnung MiCA  (Markets in Crypto Assets) zur Anwendung kommen, im April 2021 hat die EU-Kommission einen ersten Vorschlag für einen Rechtsrahmen zum Thema künstliche Intelligenz („KI-Verordnung“)  vorgelegt und Ende Juni hat die BaFin die erste Erlaubnis  für die neue Finanzdienstleistung des Kryptoverwahrgeschäfts erteilt.

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Viel Spaß beim Lesen
Ihre Aylin Wilbert


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„Die Kunst, zu verändern…“: Mikropolitisches Handeln

Wir haben euch bereits in unseren letzten beiden Beiträgen einen modernen Ansatz von nachhaltigem Change vorgestellt. Getreu unserem Motto „Die Kunst zu verändern …“ zeichnen wir euch heute einen weiteren Pinselstrich im Veränderungs-Kunstwerk.
Machtspiele, Networking, strategisch-taktisches Vorgehen - das alles sind typische und unausweichliche Handlungen. Nicht nur im beruflichen Alltag, sondern durchaus auch im alltäglichen Leben. Diese Handlungen kennzeichnen insbesondere im Unternehmensumfeld Mikropolitik bzw. mikropolitisches Handeln.

Was aber ist dieses mikropolitische Handeln genau? Es definiert sich durch Methoden und Verhaltensweisen, mit denen - nicht nur innerhalb von Organisationen - persönliche Macht aufgebaut und eingesetzt wird. Im Unternehmensumfeld sollte diese Macht allerdings den Interessen der jeweiligen Organisation dienen und nicht in erster Linie dem Eigeninteresse. Durch mikropolitisches Verhalten gestaltet ihr informelle Spielregeln, soziale Strukturen und menschliche Verhältnisse.

Lasst uns ein Spiel spielen …

Das vorweg beschriebene Verhalten könnt ihr auch als „Strategiespiel“ verstehen. Dabei müsst ihr bedenken, dass in jeder Organisation unterschiedliche formelle oder informelle Spielregeln gelten. Das kann von Arbeitsanweisungen bis hin zu Verhaltensrichtlinien gehen. Denkbare Strategien sind neben der Einhaltung gesetzter Spielregeln auch das Aufstellen weiterer Spielregeln bzw. Gegenstrategien oder eben der bewusste Verstoß gegen Regeln. Apropos verstoßen: vor unfairem Spiel, Unvernunft, Winkelzügen Dritter, unangebrachtem Powerplay und Spielverderbern, die Projekte quasi sabotieren, ist niemand gefeit.

Bringen wir Bewegung ins Spiel

Übrigens: Besonders ausgeprägt ist mikropolitisches Handeln bei Veränderungsprojekten! Da geraten häufig bestehende (Macht-)Strukturen gehörig in Bewegung bzw. ins Wanken.
Es kommt eben immer auf das entsprechend gesteckte Ziel dieses Strategiespiels an. Und wie im Grunde bei allen Spielen sind, nebenbei bemerkt, auch immer persönliche Aspekte, wie etwa Emotionen involviert.

Ihr fragt euch jetzt sicherlich: was hat dieser Punkt mit Veränderungen zu tun? Sehr viel sogar!

Ihr habt sicher schon einige Male versucht, Veränderungen (welcher Art auch immer) lediglich auf der rationalen Sachebene voranzutreiben. Was jedoch viel zu kurz greift, denn gerade bei Veränderungsprojekten überwiegt, neben Rationalität und Mikropolitik, sogar nachgewiesenermaßen eine emotionale Beteiligung.

 

Quelle: Claßen / von Kyaw – „Change Management Studie“, 2010.     
 

 

Ein bisschen „Jiri-Neutralität“ schadet nicht

Nach diesem kurzen Exkurs über die Dimensionen bei Veränderungen zurück zum mikropolitischen Handeln.
Für euch gilt es ein solches Handeln oder, um bei der Begrifflichkeit des Spiels zu bleiben, entsprechende Spielzüge zu erkennen, gegebenenfalls gegenzusteuern und positive Effekte im Rahmen des jeweiligen Projektes zu nutzen, um damit zum Gelingen beizutragen.

Aus unserer Sicht ist es bei Projekteinsätzen wichtig, dass ihr stets Neutralität wahrt und euch nicht vor „den Karren spannen“ lasst. Was aber nicht heißt, dass ihr nicht in gewisser Weise „die Zügel in der Hand“ behalten solltet, um im Sinne des jeweiligen Projektes agieren zu können. Denn gar nichts zu tun und „Scheuklappen“ zu tragen ist die schlechteste aller Optionen.

Freut euch schon auf unseren nächsten Beitrag, denn darin werden wir uns gemeinsam mit dem Thema Motivation befassen!

Viele Grüße

Tina

Die Big Five der Persönlichkeit – Hau bloß ab mit dieser Küchenpsychologie!

 

In unserem letzten Beitrag  haben wir euch die Punkte „Teamgeist“ und die richtige „Mischung“ im Kontext von Change nähergebracht. Heute legen wir das mal eine Stufe tiefer! Angenommen ihr kommt in ein neues Projekt und versucht, die Projektmitglieder einzuordnen, sie miteinander zu vergleichen und besonders ihre Persönlichkeit einzuschätzen. Beispielsweise gibt es da oft einen etwas sperrigen Mitarbeiter, bei dem ihr das Gefühl habt, er blockiert womöglich eure Arbeit. Im Normalfall versucht ihr, euch daran zu erinnern, wie ihr bisher mit solchen Mitarbeitern umgegangen seid. Dabei greift ihr aufgrund eurer Erfahrung wahrscheinlich auf euer eigenes System der Persönlichkeitsbewertung zurück. Oder ihr versucht euch an vergleichbare Menschen aus eurer Vergangenheit zu erinnern, um daraus Schlüsse für euren Umgang mit dieser Person zu ziehen. Das hat sich bewährt und je mehr Erfahrungen ihr gesammelt habt, umso leichter fällt es, Personen einzuschätzen und mit ihnen umzugehen.

Bereits in der Antike hat man das so gemacht …


Die Idee, solche Erfahrungen zu strukturieren und in allgemeingültige Konzepte zu fassen, beschäftigte die Wissenschaft schon zu Zeiten des antiken Griechenlands.
In der Psychologie gibt es viele unterschiedliche Arten, Persönlichkeit zu definieren. Dabei finden sich allerdings immer zwei Basiskonzepte wieder: 

  • Das Konzept der Einzigartigkeit 
  • Und das Konzept der charakteristischen Verhaltensmuster


Das bedeutet, dass jedes Individuum einzigartige Eigenschaften aufweist, die sich jedoch kontinuierlich in seinem Verhalten wiederfinden. Dies wiederum lässt Rückschlüsse auf einen allgemeinen Aufbau von Persönlichkeiten zu.
Dominierend in der Persönlichkeitspsychologie sind zwei unterschiedliche Ansätze. Auf der einen Seite die Klassifikation nach klar unterscheidbaren Typen und auf der anderen Seite die Skalierung unterschiedlicher Dimensionen, sogenannter Traits (Eigenschaften). Im Laufe der Zeit versuchten Psychologen die wesentlichen persönlichkeitserklärenden Traits in Form von Gegensatzpaaren (z.B. extravertiert vs. introvertiert) herauszufinden. Dabei hat sich für mich das Fünf-Faktoren-Model (Big Five) als valideste Methode bewiesen.

Alle Fünf unter Kontrolle haben

 
Die Fünf Faktoren und ihre jeweilige bipolare Definition sind in der nachfolgenden Tabelle dargestellt:


Langfristige Erkenntnisse aus diesem Modell sind beispielsweise die Entdeckung, dass die Punktwerte der Bereiche Neurotizismus, Extraversion und Offenheit zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr deutlich abnehmen. Das heißt, ihr werdet zunehmend weniger labil, sozialisierbar und neugierig! Hinzu kommt, dass die Werte Verträglichkeit und Gewissenhaftigkeit in derselben Periode ansteigen. Das bedeutet, ihr werdet zunehmend teamorientierter und ehrgeiziger.
Wie groß ist jetzt der Nutzen für euch? Kurz: Groß! Okay, etwas ausführlicher geht es auch: Dieses Modell bietet euch die Möglichkeit, dass Betroffene die Umsetzung – welche in zum Beispiel Compliance- oder Automatisierungsprojekten eher als Last empfunden wird – deutlich als Vorteil wahrnehmen. Durch die Kenntnis der Big Five seid ihr in der Lage, einen persönlichkeitsspezifischen Umgang mit allen Beteiligten zu entwickeln. Das erleichtert euch nicht nur die Vorhersage von Verhalten der Personen, sondern versetzt euch auch in die Lage, die empathische Einschätzung der Mitglieder im Projekt wesentlich leichter vorzunehmen.
Eure nächsten Schritte sind, daraus einige intuitive Maßnahmen abzuleiten, z.B. die individuelle Ansprache sowie auch die Verteilung von Aufgaben. Im weiteren Verlauf sprecht ihr die Teammitglieder unter Zuhilfenahme von Tools wie z.B. Nudging oder sozialpsychologischer Judostrategien zielorientiert an.
Das hilft euch nicht nur in der alltäglichen Arbeit im Umgang mit Mitarbeitern, sondern auch bei der Zusammenstellung von Teams. Denn nicht nur der Skill ist entscheidend für den Projekterfolg, sondern auch – und in gleichem Maße – die Persönlichkeit jedes der Teammitglieder.

Im nächsten Beitrag werden wir euch mikropolitisches Handeln erläutern – klingt komisch, ist aber sehr hilfreich!

In der Zwischenzeit könnt ihr weitere nützliche Informationen zum Thema „Changemanagement Plus“ auf unserer Website finden.


Die Kunst, zu verändern … – Wie Du Veränderungen nachhaltig managen kannst

Die Mischung machts

Ihr kennt das doch sicher auch: die regulatorischen Anforderungen nehmen zu und werden immer komplexer. Obendrein kommt noch eine hohe geforderte Anpassungsbereitschaft bei der Digitalisierung dazu. Meine Erfahrung ist, dass dies in Summe für Unsicherheit oder sogar Reaktanz bei den betroffenen Mitarbeiter*innen sorgt. Aber wie könnt Ihr Eurer Vorhaben nachhaltig umsetzen? Genau darauf haben meinen Kollegen*innen und ich eine Antwort: Wir erweitern das Projektmanagement um bewährte Changemanagement-Methoden in Kombination mit wirtschaftspsychologischen Tools. Und was das bedeutet, möchte ich Euch in diesem Beitrag kurz vorstellen.

Der Mensch als tragende Rolle

Im täglichen Projektgeschäft haben wir bei der PPI AG viele Erfahrungen gesammelt. Dabei haben wir erkannt, dass Ihr für eine erfolgreiche Umsetzung eines (Regulatorik-)Projektes (wie z.B. MiFID II) – neben den eigentlichen fachlichen Aspekten – die menschliche Komponente in den Fokus setzen müsst. Konkret kann ich aus meiner Erfahrung sagen, dass gerade von MiFID II nahezu alle Bereiche einer Bank – vom Handel über die Berater bis hin zur Personalabteilung – betroffen waren.
Seitens des Gesetzgebers werden bisherige Arbeitsweisen durchaus in Frage gestellt, sodass Ihr und Eure Kollegen*innen Euch auf eine ganze Reihe von neuen Prozessen und Arbeitsanweisungen einstellen müsst. Dabei kommt es vielmehr grundlegend auf Begeisterung an als darauf, nur von Veränderungen überzeugt zu werden!

Als „alt“ mach „neu“ mit Teamgeist

Während die klassischen Changemanagement-Methoden (u.a. Lewin, Kotter) durch ihren rein prozessorientierten Ansatz in Zeiten von zunehmendem Individualismus an ihre Grenzen stoßen, sorgen Konzepte, die den Menschen in den Mittelpunkt stellen, meiner Erfahrung nach für größeres Commitment bei Veränderungen. 

Ihr werdet tagtäglich immer wieder mit Machtspielen, Reibereien und Widerständen zwischen Abteilungen und einzelnen Mitarbeiter*innen konfrontiert. Dieselben Erlebnisse haben wir auch gemacht. Dies führte dazu, dass wir uns im Team näher mit den klassischen Methoden und Modellen des „Changemanagement“ beschäftigen. Und genauso vielfältig wie unsere Teammitglieder, ist auch unsere langjährige Projekterfahrung. Genau das nutzen wir zum Vorteil und haben dies um wesentliche Erkenntnisse aus der Wirtschaftspsychologie ergänzt. Wir haben verschiedene Methoden und Modelle genauer beleuchtet und analysieren diese auf ihre Tauglichkeit für das tägliche Projektgeschehen. Was wir daraus gelernt haben und wie Ihr davon profitieren könnt, wollen wir Euch in unseren nächsten drei Blog-Beiträgen vermitteln.

So viel vorweg: Grundsätzlich gilt nicht „viel hilft viel“ – sondern ganz im Gegenteil – die in Frage kommenden und für Euer tägliches Projektgeschäft angepassten Methoden und Modelle müssen jeweils gezielt ausgesucht bzw. angewendet werden.

Bleibt motiviert und hinterlasst gerne Kommentare, Anregungen oder Fragen

Sonnige Grüße
Tina

D wie DORA

A wie Anton,

B wie Berta,

C wie Cäsar,

D wie Dora?

Wir kennen alle die Buchstabiertafel. In einem Artikel habe ich gelesen, dass es Bestrebungen gibt, die Personennamen durch deutsche Städtenamen zu ersetzen. Aus Dora soll Düsseldorf werden. Ob sich das allerdings praktisch durchsetzen würde – fraglich.

Beim Management von Risiken im Zusammenhang mit Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT-Risiken) wird uns DORA hingegen noch lange beschäftigen. Es handelt sich bei DORA nämlich um den Digital Operational Resilience Act (Verordnung zur Stärkung der digitalen operativen Resilienz). Als Teil der Strategie zur Digitalisierung des Finanzsektors - neben DORA gibt es weitere Verordnungen zu Kryptowerten und zum Massenzahlungsverkehr – soll der EU-Finanzsektor digitaler, einheitlicher, sicherer und verbraucherfreundlicher gestaltet werden.

Der Status Quo

Aktuell ist der EU-Finanzsektor von vielen uneinheitlichen Regelungen geprägt. So gibt es beispielsweise in Deutschland die BAIT für den Bankensektor und gleichzeitig die VAIT für Versicherungen. Auch über Ländergrenzen hinweg bestehen uneinheitliche Regularien. Zudem sind Vorschriften in den vergangenen zehn Jahren zu unterschiedlichen Zeitpunkten erarbeitet worden und behandeln IKT-Risiken dabei häufig nur mit untergeordneter Priorität. Als Konsequenz sind die Anforderungen an den Finanzsektor zur Eindämmung von IKT-Risiken fragmentiert und inkohärent und vor allem international tätige Banken bzw. Finanzdienstleister leiden unter uneinheitlicher Regulatorik. 

Möglicherweise arbeiten Sie selbst in der Banksteuerung und kennen die Probleme, die sich daraus ergeben. Rechtsunklarheiten, komplexe Regulierung, hoher administrativer Aufwand und damit hohe finanzielle Kosten sind nur ein Teil der Schwierigkeiten.
Hier schafft DORA durch eine einheitliche, EU-weite Regelung zur Abwehr von IKT-Risiken Abhilfe.

Worum geht es in DORA?

In DORA werden verschiedene Themenbereiche behandelt, von denen ich vier näher vorstellen möchte.

Von der Governance wird gefordert, dass notwendige Mittel für die Cybersicherheit bereitgestellt werden und dass es klare Verantwortlichkeiten inklusive einer Rollen- und Rechtevergabe gibt. Zum IAM hat mein Kollege Andreas Bruckner bereits einen Blog-Eintrag geschrieben. Schauen Sie doch dort auch einmal vorbei (https://www.banking-experts.blog/2021/04/von-der-pflicht-zur-kur-so-nutzen-sie.html). Für die Einhaltung der IKT-Richtlinien ist zudem die Geschäftsleitung verantwortlich.


Die Anforderungen an das IKT-Risikomanagement beziehen sich auf spezifische Fähigkeiten und Funktionen, die Finanzunternehmen zukünftig erreichen beziehungsweise erfüllen müssen. Dazu zählen beispielsweise die Identifizierung von Bedrohungen, Angriffsprävention, Aufdeckung von Schwachstellen oder auch Wiederherstellungspläne. Verpflichtend ist hierbei die Verwendung von international anerkannten technischen Normen zur Prävention von IKT-Risiken.

Digitale operationelle Belastbarkeitstests zielen darauf ab, IKT-Systeme regelmäßig auf die Präventions-, Erkennungs-, Reaktions- und Wiederherstellungsfähigkeiten zu testen, um potenzielle IKT-Schwachstellen aufzudecken und zu beheben. Als mögliche Testarten listet DORA unter anderem Gap-Analysen, Quellcodeprüfungen, szenariobasierte Tests, End-to-End-Tests oder bedrohungsorientierte Penetrationstests auf. Insbesondere bei den Penetrationstests ist zudem besonders auf die Eignung der Prüfer zu achten.

Ein besonderes Augenmerk legt DORA auf das IKT-Drittrisiko. In der IKT-Strategie von Finanzunternehmen spielt die Auslagerung von digitalen Funktionen eine wichtige Rolle. Dadurch können diese sich auf ihre Kernkompetenzen konzentrieren. Funktionieren können Auslagerungen aber nur, wenn die Institute die Risiken weiterhin unter Kontrolle behalten. DORA hilft, prinzipienbasierte Regeln festzulegen, an denen sich Finanzinstitute bei der Überwachung von Risiken im Zusammenhang mit der Auslagerung von IKT-Dienstleistungen orientieren können und gibt z.B. Mindestanforderungen an die Vertragsgestaltung vor.

Mein Fazit

DORA wird meiner Meinung nach ein wichtiger Baustein zur Vereinheitlichung des EU-Finanzsektors sein und damit der weiteren Europäisierung im Finanzwesen dienen. Ich finde es gut, wenn in jedem EU-Land einheitliche Bedingungen gelten und jeder Wettbewerber den gleichen Regeln unterliegt. Die EU wächst erfreulicherweise immer weiter zusammen und auch der Finanzsektor soll diese bereits begonnene Entwicklung weiter gehen.

Ihre Meinung zu DORA interessiert mich ebenfalls. Was halten Sie von der Vereinheitlichung der Anforderungen an das IKT-Risikomanagement im Finanzsektor? Lassen Sie es mich gerne in den Kommentaren wissen.


Viele Grüße


Sebastian Nagel

RegTech News! 15. RegTech-Beitrag "Compliance im digitalen Krypto-Wandel" ist jetzt online

Liebe Leserinnen und Leser, 

RegTech ist im Dialog mit Finanzinstituten nicht mehr wegzudenken. Aber wofür steht der Begriff, was bedeutet er in der Praxis, welche Anwendungsfälle bestehen im Compliance-Umfeld, wie fügt sich RPA in den Themenkomplex ein?

All diese Fragen behandeln wir seit längerem in einer Reg-Tech Beitragsserie. Natürlich wollen wir Ihnen unseren Blog-Lesern diese Beiträge nicht vorenthalten!

Deshalb erhalten Sie ab sofort zu jedem neuen RegTech Beitrag News auf diesem Blog und heute geht es weiter mit dem 15. RegTech Beitrag:

Compliance im digitalen Krypto-Wandel

Die Dynamik des digitalen und regulatorischen Wandels erhöht sich - Compliance befindet sich mitten in einem Transformationsprozess: Ende Juni 2021 trat das eWpG (Gesetz über elektronische Wertpapiere) in Deutschland in Kraft, Ende 2022 soll die EU Verordnung MiCA  (Markets in Crypto Assets) zur Anwendung kommen, im April 2021 hat die EU-Kommission einen ersten Vorschlag für einen Rechtsrahmen zum Thema künstliche Intelligenz („KI-Verordnung“)  vorgelegt und Ende Juni hat die BaFin die erste Erlaubnis  für die neue Finanzdienstleistung des Kryptoverwahrgeschäfts erteilt.

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Viel Spaß beim Lesen
Ihre Sandra Reinhard


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Den Einkauf zahlt der Kühlschrank

Sind Sie auch im Besitz eines intelligenten Kühlschranks?

Jeder von uns kennt diese Situation: Der Kaffee ist gerade durchgebrüht und Sie gießen sich eine heiße Tasse ein. Ein super Start in den Morgen, um den Tag vollgestopft mit virtuellen Meetings gut zu überstehen. Nicht alle von uns mögen ihn schwarz, daher ein Schuss Milch dazu. Sie öffnen den Kühlschrank und mal wieder ist die Milch leer. Tja, jetzt kann man sich ärgern, in den nächsten Kiosk oder Supermarkt laufen und Nachschub kaufen. Das Problem ist, Sie haben noch 5 Minuten, bis der Konferenzmarathon startet. Wohl oder übel müssen Sie den Kaffee also ohne Milch trinken… Oder?
Jetzt stellen Sie sich mal eine andere Situation vor: Sie schauen in den Kühlschrank, Milch leer, aber im gleichen Moment klingelt es an der Haustür und ein Bote liefert Ihnen die fehlende Milch. Denn Sie sind glückliche*r Besitzer*in eines intelligenten Kühlschranks, der automatisch registriert hat, dass Lebensmittel fehlen, sie nachbestellt und auch gleich bezahlt hat. Das würde das Leben doch deutlich erleichtern, oder?

Bezahlen kann er noch nicht

Science-Fiction? Nicht ganz, denn technisch sind unsere Maschinen und Geräte bald so weit und könnten das obige Wunschszenario Wirklichkeit werden lassen. Schon heute haben wir Geräte, die zum Beispiel per Sprachbefehl Bestellungen aufnehmen können. Sensoren sind so weit entwickelt, dass sie bestimmte Situationen registrieren, Daten aufnehmen und auswerten können und daraus weitere Prozessschritte einleiten können. Geräte sind bereits untereinander vernetzt und werden zukünftig miteinander interagieren und Prozesse autonom ohne manuellen Eingriff abwickeln. Diese Entwicklung nimmt rasant zu. Von dem Fortschritt der Künstlichen Intelligenz ganz zu schweigen. Jetzt fragen Sie sich bestimmt: Warum habe ich noch keinen Kühlschrank, der meine Einkäufe bestellt und bezahlt? Eben genau das Bezahlen stellt noch eine große Herausforderung dar.

Rezept für das IoT-Payments: Es fehlt noch eine wichtige Zutat

Die Zukunft ist nicht nur ein intelligentes, selbstzahlendes Gerät, wie es unser Kühlschrank sein kann, sondern vor allem sind es auch flexible Modelle wie „nur das zahlen, was tatsächlich verbraucht wird“ und „kleinteilige Zahlungen“. Für diese IoT-Anwendungsfälle werden automatisierte und effiziente Zahlungsvorgänge in Echtzeit benötigt, die ohne menschliche Interaktion abgewickelt werden können, wir nennen sie mal IoT-Payments. Die Zahlungen werden programmierbar. Und genau hier stößt unser konventioneller Zahlungsverkehr jedoch an seine Grenzen. Es ist schlicht und einfach nicht auf IoT ausgerichtet. 

Es gibt bereits heute Lösungen, die das konventionelle Zahlungssystem mit einer Anwendung, die auf der innovativen Distributed-Ledger-Technologie (DLT) basiert, verbindet. Diese technische Brückenlösung, auch Triggerlösung genannt, kann programmierbare Zahlungen realisieren. Die Zahlungsabwicklung erfolgt weiterhin im konventionellen Zahlungssystem, während in der DLT-basierten Anwendung die Kommunikation der IoT-Daten von Maschinen und Geräten erfolgt. Das ist schon gut, jedoch noch nicht das Optimum. Denn es kommt immer noch zu einem Systembruch, da das Zahlungsmittel, sprich ein Euro-Token, nicht direkt in der DLT-Anwendung emittiert wird und somit keine Echtzeitabwicklung möglich ist. Sind digitale Währungen á la Stablecoin, digitaler Euro und sonstige tokenisierte Geldeinheiten noch die fehlende Zutat für das IoT-Payments-Rezept?

Zahlungen werden jetzt so richtig digital

Um ein „Internet of Payments“ Wirklichkeit werden zu lassen, können digitale Währungen durchaus eine große Rolle spielen. Sowohl der Privatsektor als auch die Europäische Zentralbank beschäftigen sich intensiv mit dem Potenzial von digitalen Währungen. Genau dieses Thema haben mein PPI-Kollege Savas Cetin und ich in einem Video-Beitrag, welches wir für den diesjährigen News-Marktplatz des Deutsche Bank Finanzforums erstellt haben, beleuchtet. Wir haben hier nicht nur das Beispiel mit dem intelligenten Kühlschrank und das Pay-pay-Use-Modell interaktiv veranschaulicht, sondern gehen auch auf das Thema der digitalen Wäh-rungen und IoT-Payments ein. Das Video ist unter dem folgenden Link abrufbar : https://www.youtube.com/watch?v=QtOhIi61vew&list=PLEpiAxKMjgPojcubMM_jUUckSfcF4ogn6&index=16


Viel Spaß beim Zuschauen!


Anja Kamping

„Ich will, dass es still bleibt um meine Konten.“ – Open Banking – ein Blick in die Schweiz lohnt sich

Seit dem legendären Zitat „Ich will, dass es still bleibt um meine Konten.“ aus „Asterix bei den Schweizern“ ist viel Zeit vergangen. In unserem ersten Blogbeitrag “Open Banking - Banken, Ökosysteme und der neue ‘Place to be’ ” haben wir für Sie die Entstehung von Open Banking erläutert und sind auf die neuen Chancen für Banken eingegangen. Wie in Deutschland, sehen auch in der Schweiz viele Banken ihre Zukunft nicht bei den im Comic noch prominent gezeigten Tresoren im Keller, sondern in Open-Banking-Plattformen. Allerdings unterscheiden sich die Ansätze in der Alpenrepublik und ihrem nördlichen Nachbarn. Vielleicht haben Sie auch schon beobachtet, dass die Institute in Deutschland bislang meist auf dezentrale Plattformen setzen. Somit sind im deutschen Open Banking Markt kaum standardisierte Schnittstellen (APIs) auf den verschiedenen Plattformen zu finden, was die Entwicklung der Schnittstellen an sich sowie die Anbindung von Drittanbietern an die jeweiligen Schnittstellen deutlich verlangsamt. 

In der Schweiz spielt dagegen die Idee einer zentral geführten Open-Banking-Plattform eine wichtige Rolle. Der Gedanke dahinter ist so einfach wie einleuchtend: Banken sowie Drittanbieter werden einmalig an eine zentrale Plattform angebunden. Getrieben durch die Swiss Infrastructure and Exchange (SIX) wird das wohl prominenteste Plattformmodell b.Link angeboten. 

Eine für alle – Plattform der Gemeinsamkeit

Das b.Link verbindet die Teilnehmer über standardisierte Schnittstellen, also APIs. Ein Serviceprovider – Drittanbieter oder Finanzinstitut – stellt einen bestimmten Service zur Verfügung, beispielsweise Kontoinformationen oder Zahlungseinlieferungen. Der Servicenutzer – Drittanbieter oder Finanzinstitut – nutzt die vom Provider angebotene Dienstleistung. Ein ganz modernes Modell, bei dem ein Teilnehmer zudem beide Rollen einnehmen kann.

Das Modell der Schweizer hat insbesondere folgende Vorzüge:

  • Alle Teilnehmer der Plattform sprechen technisch dieselbe Sprache und sind vertrauenswürdige Partner, indem sie zwingend einen einheitlichen Zertifizierungsprozess durchlaufen.
  • Für alle Beteiligten gilt ein einheitliches Vertragswerk.
  • Die Wartung der Schnittstelle ist einfach, da Änderungen für alle gelten und Spezialfälle somit ausgeschlossen sind.

Diese „Einer für alle und alle für einen“-Plattform bedeutet jedoch keineswegs eine bedingungslose Akzeptanz aller Drittanbieter oder Banken: Hier machen die Institute nach wie vor selbst die Spielregeln und können einzelnen Playern den Zugriff auf die eigenen APIs auf der Plattform verweigern.

Open Banking à la St. Gallen

Neben dem gemeinschaftlichen Vorhaben gedeihen generell weitere Blüten auf den Schweizer Alpenwiesen. So hat die St. Galler Kantonalbank beispielsweise die Open-Banking-Initiative OpenWealth gestartet, die per API Informationen zu Wertpapieren beziehungsweise Anlageprodukten einzelner Kunden zur Verfügung stellt. Die bisherigen Teilnehmer wollten diese Schnittstelle auch über eine zentral geführte Plattform bereitstellen, was wieder zu einer Partnerschaft mit der SIX führte. Das Ziel: Den OpenWealth-Standard auf die b.Link-Infrastruktur zu heben.

Bund von individueller Idee und Zentralität

Sie erkennen an diesem Beispiel, dass in der Schweiz ein anderer Weg als in Deutschland verfolgt wird. Eine Überlegung könnte er allemal wert sein: Aus einer business-seitig getriebenen Initiative bildet sich eine Open-Banking-Community, die von gemeinsamen Schnittstellenstandards profitiert. Um der kollaborativen Technologie in Deutschland zum Durchbruch zu verhelfen, dürfen Sie die Möglichkeit von Kooperationen auch hierzulande nicht außer Acht lassen. Ein Blick über den Teller- beziehungsweise hinter den Alpenrand mag sich für Sie lohnen.

Viele Grüße
Florian Hartmann

 

Haben Sie schon einmal von der Abkürzung XAI gehört?

Die fehlende Nachvollziehbarkeit von Entscheidungen basierend auf Künstlicher Intelligenz (KI) wirkt häufig abschreckend und führt in vielen Fällen dazu, auf KI-Anwendungen zu verzichten. Eben deshalb nannte Tadeusz auch in seinem letzten Blogbeitrag dies als großen Nachteil einer KI. Doch glücklicherweise gibt es dafür bereits eine Lösung. Und genau hier kommt XAI ins Spiel. EXplainable Artificial Intelligence - oder zu Deutsch erklärbare Künstliche Intelligenz.

Vertrauen Sie Ihrer KI?

Durch rasant wachsende Datenmengen (eine gute Qualität der Daten natürlich vorausgesetzt), werden immer bessere KI-Algorithmen entwickelt und somit immer häufiger eingesetzt. In Banken finden diese mittlerweile in unterschiedlichen Bereichen Anwendung. Ob in der Interaktion mit dem Kunden, der Betrugserkennung, der Automatisierung von Prozessen oder im Risikocontrolling. Durch KI-Algorithmen erschließen sich dort ganz neue Möglichkeiten, die durch beispielsweise lineare Modelle nicht realisierbar sind. Zum Opfer fällt da häufig jedoch die Nachvollziehbarkeit oder Erklärbarkeit des Ergebnisses. Was nutzen Ihnen die besten Vorhersagen, wenn Sie diese nicht verstehen können? Sind Sie trotzdem bereit, diese zu akzeptieren? Dürfen Sie diese überhaupt verwenden?

Gedanken machen sich Viele …

Auch die BaFin hat sich mit diesem Thema bereits beschäftigt und ihre Studie „Big Data trifft auf Künstliche Intelligenz “   veröffentlicht. In dieser wird die Nachvollziehbarkeit von KI-Entscheidungen ganz explizit gefordert. Dafür gibt es auch einige gute Gründe. Spontan fällt mir dabei die Schlagzeile ein, dass mal wieder ein KI-Algorithmus unbemerkt und ungewollt bestimmte Personengruppen diskriminiert hat. Solch ein Szenario würde zu einem nicht unerheblichen Reputationsschaden für eine Bank führen. Aber auch die Rechenschaftspflicht ist gegenüber den Aufsichtsbehörden ein wichtiges Thema, für das es Nachvollziehbarkeit braucht.

Neben der Regulierung von KI-Algorithmen spielt auch die Interaktion zwischen Menschen und Software eine große Rolle. Aus meiner Erfahrung weiß ich, dass KI für viele Mitarbeiter erst einmal ungewohnt in der Zusammenarbeit ist. Die Unsicherheit über die Funktionsweise der Algorithmen führt häufig zu wenig Vertrauen in die Ergebnisse. Dabei ist gerade XAI in der Lage, die Akzeptanz zu verbessern. 

… aber gibt es eine Lösung?

Durch XAI setzen Sie genau dort an und machen KI-Entscheidungen nachvollziehbarer. Insbesondere steht dabei die sogenannte Post-Hoc Erklärbarkeit im Fokus. Dies bedeutet, dass Entscheidungen im Nachhinein nachvollzogen werden können. Das Gegenteil davon wäre die Ante-Hoc Erklärbarkeit, bei der ein transparentes Modell gewählt wird und dieses bereits an sich verständlich ist. Da häufig jedoch KI-Modelle durch ihre Komplexität keine transparenten Modelle sind, können Sie auf erstere Form der Erklärbarkeit zurückgreifen. Bei dieser wird somit nicht das Modell als Ganzes betrachtet, sondern nur jeweils eine einzige Entscheidung. Sie sollen verstehen können, wieso aus den gegebenen Eingangsdaten genau die ausgegebene Entscheidung des KI-Algorithmus entstanden ist. Für diese lokale Erklärbarkeit gibt es bereits einige vielversprechende Ansätze. Der sicherlich prominenteste Ansatz ist LIME (Local Interpretable Model-Agnostic Explanations). Durch LIME können Sie einzelne Entscheidungen betrachten und auf die Eingangsmerkmale zurückführen. Da dies grafisch aufbereitet wird, ist es auch fachfremden Nutzern möglich, die Vorgehensweise bei der Entscheidungsfindung schnell nachzuvollziehen. Außerdem kann LIME auf die meisten KI-Modelle angewendet werden und erzeugt Interpretationen von Entscheidungen verschiedenster Klassifikatoren, ob zwei- oder mehrklassig, ob Textdaten oder auch Bilddaten.    

Neben den beiden genannten Arten der Erklärbarkeit gibt es weitere Voraussetzungen, die erfüllt sein müssen und im weitesten Sinne dem Themenfeld XAI zugeordnet werden können. Insbesondere brauchen Sie ein gutes Verständnis der Datengrundlage, um auch das daraus resultierende Modell verstehen zu können. Die Verwendung von KI-Algorithmen ist kein Freifahrtschein, auf eine sorgfältige Datenauswahl und -aufbereitung zu verzichten.  

Was kommt als nächstes?

Durch den wachsenden Stellenwert von KI-Algorithmen in vielen Bereichen in den letzten Jahren, gewinnt auch das Thema XAI zunehmend an Bedeutung. Gerade das Vertrauen in KI-Anwendungen muss in Zukunft gestärkt werden, um einen positiven Einfluss auf unsere Gesellschaft und unsere Arbeitsweise zu ermöglichen. Dass nun durch die BaFin eine erste Regulierungseinheit das Thema aufgegriffen hat, unterstreicht die Bedeutung von Nachvollziehbarkeit in KI-Anwendungen. Seitens der Regulierung kann man weitere Veröffentlichungen erwarten bis schließlich erste Regularien definiert werden. Aus technischer Sicht ist ebenfalls mit einigen Fortschritten in der nächsten Zeit zu rechnen. Nicht umsonst wurde jüngst die sogenannte Dritte Welle der KI ausgerufen, in der nach Ansätzen zur Erklärbarkeit geforscht wird.  

Die Möglichkeit mithilfe von XAI komplexe KI-Entscheidungen nachvollziehbar zu machen, bietet Ihnen enorme Chancen. Was einst als großer Nachteil der Anwendung von Künstlicher Intelligenz galt, dem können Sie nun entgegengetreten. Die Ansätze, welche dazu heute bereits existieren, liefern gute und insbesondere verständliche Ergebnisse und Sie können diese mit geringem Aufwand auf fast alle KI-Algorithmen anwenden. 

Da ich mich auch in Zukunft intensiv mit dem Thema beschäftigen werde, interessiert mich Ihre Meinung. Was sind Ihre Erfahrungen mit der (fehlenden) Nachvollziehbarkeit von KI-Entscheidungen? Ich freue mich auf Ihre Kommentare!


Viele Grüße
Jan Eßer  

Wer bist du wirklich? Auf der Suche nach der digitalen Identität

„... Und dabei wurde meine Identität gestohlen.“ Dieser Satz fiel nicht etwa im Zusammenhang mit dem letzten Tatort oder dem letzten Krimibuch, sondern bei der letzten Mädelsrunde. Weniger über die Tatsache überrascht, wie dreist viele Betrüger heutzutage sind, waren wir vielmehr schockiert darüber, wie leicht es doch ist, die Identität eines anderen Menschen anzunehmen. 

Doch – was war passiert? Eine Freundin erzählte uns, wie sie vor einiger Zeit Opfer eines Identitäten Diebstahls wurde. Ein Betrüger verkaufte unter ihrem Namen Produkte bei einem bekannten Online Aktionshändler und lies sich das Geld auf ein Bankkonto überweisen, welches er mit ihrer Identität eröffnet hatte. Wie das funktionieren konnte? Es stellte sich im Nachgang heraus, dass unsere Freundin zwecks Wohnungsbewerbung persönliche Unterlagen – unter anderem ihren Personalausweis – an einen vermeintlichen Vermieter versendet hatte. Hierdurch konnte der Betrüger nicht nur ihre Wohnungsnot, sondern auch ihre Daten missbrauchen.

Ach wie gut, dass niemand weiß…

Unsere Freundin ist mit großer Wahrscheinlichkeit kein Einzelfall. Inzwischen sind viele Prozesse ¬– auch durch die Corona Pandemie beschleunigt ¬– digitalisiert worden. Bei der Verlagerung von persönlich zu digital, lauern neben den Vorzügen auch viele Gefahren. Insbesondere in Zeiten von Corona, wo der persönliche Kontakt im Privaten sowie in der Geschäftswelt auf das Minimum reduziert wird, erfordert es einen digitalen Identitätsnachweis. Ein wichtiger und zugleich fehlender Sicherheitsaspekt, welcher so manche Digitalisierungsvorhaben hemmt. Anders als in der analogen Welt kann sich online jeder hinter der Anonymität im Internet verstecken. Wie kannst Du dir heutzutage sicher sein, dass dein Gegenüber wirklich derjenige ist, der er vorgibt zu sein? Gibt es eine Möglichkeit sich in der digitalen Welt zu verifizieren bzw. sich seinem Gegenüber zu identifizieren?

Mit Blick auf den deutschen Markt hat kein Verfahren die nötige Marktakzeptanz erreicht, um als ganzheitliche Lösung genutzt zu werden. Es gibt zwar einige Anbieter und Produkte, jedoch hat sich bislang keine dieser flächendeckend durchsetzen können. Auch der seit 2010 eingesetzte elektronische Personalausweis wird kaum genutzt. Obwohl die eID-Funktion bereits mehrere Jahre auf dem Markt ist, ist diese von den Bürgern oftmals noch nicht mal zur Nutzung aktiviert worden. Erst ab 2027 werden alle Personalausweise mit der Online Ausweis-Funktion aktiviert sein. Ob diese jedoch zu einer höheren Nutzung führt, bleibt unklar. Grund hierfür ist, dass es in Deutschland leider zu wenig Anwendungsfälle und Akzeptanzstellen gibt. Hierdurch ist es für Unternehmen nur wenig attraktiv, die eID zu unterstützen. 

Der Ruf nach einem einheitlichen Verfahren und einer ID, die Zugriff auf alle Konten gewährt, ist groß. Die großen Player haben es bereits vorgemacht. Mit dem Facebook oder Google Login müssen sich Nutzer nur einmal verifizieren und können dann beispielsweise die Zugangsdaten bei Drittunternehmen nutzen, ohne ein weiteres Konto anlegen zu müssen. Eine ähnlich erfolgreiche Lösung gibt es – Stand heute – nicht auf dem deutschen Markt. Darüber hinaus beobachten wir, dass es zunehmend wichtiger wird, dass unsere personenbezogenen Daten nicht auf irgendwelchen Rechnern, irgendwo im Ausland landen, sondern in Deutschland bzw. Europa sind und auch bleiben.
Welche Informationen bilden eine digitale Identität ab? Die Identität einer Person setzt sich nicht nur aus den Personalausweis Angaben zusammen. Auch ein Studentenausweis, der Führerschein oder die Fitnessclubkarte können den Nachweis einer Identität erbringen. Es braucht also eine Lösung, die alle Nachweise vereint und dann von vielen Menschen genutzt und von vielen Unternehmen unterstützt wird. 

Der Aufbau eines Ökosystems mit digitalen Identitäten

Genau diesem Thema hat sich das Bundeskanzleramt gewidmet. Das Projekt der Bundesregierung beschäftigt sich damit, dass in Zukunft jeder Bundesbürger seine digitalen Nachweise auf einem mobilen Endgerät in einer Wallet speichern und selbst verwalten kann. Im Herbst 2021 soll die eID auf dem Smartphone verfügbar sein. Technische Voraussetzung für die eID auf dem Smartphone ist allerdings, dass eine NFC-Schnittstelle vorhanden ist. Ziel des Projektes ist es, dass der Nutzer vollständige Kontrolle über seine persönlichen Daten bekommt und zukünftig eine größere Datensparsamkeit erreicht wird. Bei der Konzeption wird neben der eIDAS Konformität großer Wert darauf gelegt, dass die Lösung sowohl nutzerfreundlich ist als auch ein hohes Maß an Datenschutz und Sicherheit erfüllt. 

Technische Grundlage für das Vorhaben, ist die auf Blockchain-Technologie basierte selbstbestimmte Identität (Self-Sovereign Identity, SSI), welche auch dezentrale Identität genannt wird. Hierbei bekommt ein Nutzer von vertrauenswürdigen Herausgebern Identitätsdaten als kryptografische, signierte und verifizierte Nachweise (Verified Credentials) ausgestellt und kann diese in der digitalen Wallet verwalten. Möchte ein Nutzer nun beispielsweise bei einer Bank eine Kontoeröffnung durchführen, sendet der Nutzer die gespeicherten Informationen aus der Wallet an diese weiter. Mithilfe von Blockchain verifiziert die Bank den Aussteller, die Signatur und überprüft die Gültigkeit. Ist der Prozess erfolgreich verlaufen, konnte ein digitaler Identitätsnachweis erbracht werden.
Der Ansatz „Bring Your Own Identity“ bedeutet für uns als Endkunden, dass ich meine persönlichen Daten sicher und verschlüsselt auf meinem Smartphone ablegen und diese dann für bestimmte Zwecke mit verschiedenen Unternehmen teilen kann. Es ermöglicht mir, dass ich jederzeit, unabhängig von Zeit und Ort einen Identitätsnachweis erbringen kann. Ich muss mir nicht mehr unzählige Passwörter merken, sondern nur noch das meiner Wallet. Aber der größte Mehrwert ist: ich behalte die Kontrolle über meine persönlichen Daten und entscheide selber, was und wem ich Daten freigeben möchte.
Um nochmal zurück zum Anfang zu gehen: Mit diesem Ansatz lässt sich wahrscheinlich nicht jede Sicherheitslücke schließen, nichtsdestotrotz bewegen wir uns einen Schritt vorwärts bei unserer Suche nach der digitalen Identität ;)

Uns interessiert Ihre persönliche Meinung zu diesem Thema. Was sagen Sie zum digitalen Wallet mit Ihrer digitalen Identität? Wir freuen uns über Ihre Kommentare und stehen gerne für einen Austausch zur Verfügung.

Stay safe
Lilli & Dung

RegTech News! 14. RegTech-Beitrag "AML-Verdachtsmeldungen automatisieren" ist jetzt online

Liebe Leserinnen und Leser, 

RegTech ist im Dialog mit Finanzinstituten nicht mehr wegzudenken. Aber wofür steht der Begriff, was bedeutet er in der Praxis, welche Anwendungsfälle bestehen im Compliance-Umfeld, wie fügt sich RPA in den Themenkomplex ein?

All diese Fragen behandeln wir seit längerem in einer Reg-Tech Beitragsserie. Natürlich wollen wir Ihnen unseren Blog-Lesern diese Beiträge nicht vorenthalten!

Deshalb erhalten Sie ab sofort zu jedem neuen RegTech Beitrag News auf diesem Blog und heute geht es weiter mit dem 14. RegTech Beitrag:

6. EU-Geldwäscherichtlinie: Der deutsche All-Crime-Ansatz als Beschleuniger für Automatisierungsmaßnahmen im Bereich der Geldwäscheprävention

Der zunehmende zeitliche Druck, neue geldwäscherechtliche Vorschriften umzusetzen, stellt insbesondere die Finanzbranche als primären Adressaten der Neuregelungen vor die Herausforderung, in immer kürzeren Zeitabständen umfangreiche neue rechtliche sowie regulatorische Anforderungen in die Praxis umzusetzen. Dem Takt des Regulators bzw. Gesetzgebers unmittelbar zu folgen, wird für viele Verpflichtete der Geldwäscheprävention immer schwieriger.

Während sich aktuell bereits weitere umfassende rechtliche Änderungen in Planung befinden (siehe unten), hat der nationale Gesetzgeber soeben erst die mittlerweile 6. EU-Geldwäscherichtlinie durch das Gesetz zur Verbesserung der strafrechtlichen Bekämpfung der Geldwäsche  für die Praxis verpflichtend umgesetzt. Dieses neue Gesetz, mit Wirkung zum 18. März 2021, bringt wesentliche Änderungen für die Finanzbranche mit sich, insbesondere den sogenannten All-Crime-Ansatz.

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Viel Spaß beim Lesen

Ihre Claudia Löschmann


PS: Lesen Sie auch unsere anderen Beiträge zum Thema RegTech!